Über die Liebe

... Sanft legt Ahote die Hände auf ihren Bauch, spürt in sich hinein. Was hat ihr Großvater gesagt? „Zur Ruhe kommen, sich versenken – in sich, in die Natur.“
Tangakwunu ihr Vater! Auf einmal ist seine Stimme in ihrem Kopf. „Wenn ich still da sitze, werde ich zum Stein. Dann lausche, spüre ich, höre und rieche alles um mich herum. Ich öffne mein Herz und Liebe strömt durch mich hindurch - in die Welt hinaus. Und weil ich liebe - alles liebe, bin ich ein Teil davon. Ein Teil vom großen Ganzen. Wo Liebe ist, ist Erkenntnis. Wo Liebe ist, ist keine Wut, kein Hass. Wo Liebe ist, ist Ruhe. Und wo Ruhe ist, begegnest du dir selbst.“
Auf einmal laufen Tränen über ihr Gesicht. Ihr Vater! Wie sehr sie ihn geliebt hat. Und vermisst! Sie vermisst ihn noch immer so sehr. Er würde Opa werden. Er würde es lieben, das weiß sie ganz genau. Sie seufzt und wischt die Tränen aus ihrem Gesicht. Plötzlich hallt erneut die Stimme ihres Vaters in ihrem Kopf: „Du musst dir vergeben. Es gibt keine Schuld. Wir sind hier, um zu lernen. Wir machen Fehler, ja. Weil wir handeln. Wenn wir nur still sitzen und nicht handeln, gehen wir nicht weiter. Unseren Weg. Also, kleine Ahote, wusel hinaus in die Welt. Wusel wie eine Eidechse. Sie ist schnell, aber dennoch achtsam und mit allem verbunden. Sie eilt nicht achtlos durchs Leben. Weil sie achtet, liebt sie. Liebt alles. So wie alle Urvölker Amerikas alles lieben. Vergiss das nie!“
Sie sieht einen Mann, der seine Arme weit zur Seite ausbreitet und ein kleines Mädchen voller Liebe anlacht. Das Mädchen nimmt Anlauf, rennt zu ihm zurück und fliegt juchzend in seine Arme. Der große Mann mit den gütigen Augen, aus denen all die Liebe des Universums strahlt, fängt es auf und dreht sich mit ihm im Kreis - dem kleinen Mädchen - das ist sie!
Tränen strömen über ihr Gesicht. Oh ja, sie liebt. Ihren Vater! Ihr Herz läuft über, vor Liebe zu ihm. Sie wird ihn immer lieben. Und Samuel! Plötzlich ist es da. Wieder da. Ganz tief in ihr drin. Dieses heiße Gefühl. Und sie lächelt, Tränen versiegen. Es wird, es muss ihr gelingen, ihre Liebe zu retten. Lieblingsmensch - gesucht und gefunden.

 

Lieblingsmensch
Lieblingsmensch - gesucht und gefunden.
Nah und doch manchmal fern.
Muss nur Arm ausstrecken, dich zu berühren -
Deine äußere Form.
Schaffen meine Worte, Gedanken das auch mit deinem Herz?
Du bei mir?
Ich bei dir?
Lieblingsmensch - schnarchen ertragen.
Wut teilen, Schmerz.
Vertrauter, Geliebter, Verhasster. Alles zugleich.
Lieblingsmensch - Leben teilen, Freud und Leid.
Nicht immer einfach. Durch Hochs und Tiefs.
Gemeinsam. Erfüllte Zeit.
Heilige Zeit - vergeht wie im Flug.
Stunden wie Sekunden.
Lieblingsmensch - heiße Berührung der Haut.
Nase an Nase reiben.
Schweißgeruch, Sonntagsduft - alles dabei.
Lieblingsmensch - bist bei mir gestrandet.
Habe Anker geworfen in dir.
Doch manchmal ziehen dunkle Wolken auf.
Sturm kündigt sich an.
Seh ihn kommen.
Bin hilflos ihn abzuwenden.
Blitze am gemeinsamen Horizont scheinen unsere Welt zu trennen
Erdbebengleich.
Risse in Erdkruste tun sich auf.
Machtlos steh ich da, kann nichts tun.
Innerlich erstarrt, versteinert.
Kann mich nicht bewegen - weder innen noch außen.
Wo finde ich Rettung? Hilfe?
Herz öffnet sich - Weisheit des Lebens.
Liebe heilt. Ganz plötzlich.
Licht in mir. Licht in dir.
Lieblingsmensch - strecke zaghaft meine Hand aus.
Bist du noch da?
Auch für mich?
Bist noch erfüllt von Liebe zu mir?
Die einer Eintagsfliege ist lang vorbei.
Reich mir die Hand.
Tanz mit mir auf dem Regenbogen.
Ich halte dich, wenn du fällst.
Spüre deine Fingerspitzen auf meiner Haut -
Vertraut und doch fremd.
Jedes Mal neu - neues Gefühl. Unverbraucht.
Liebestraum.
Rausch der Gefühle weicht Beständigkeit.
Freundschaft, Respekt, Hilfe, Mentor in allen Lebenslagen.
Unverrückbar an meiner Seite.
Schulter an Schulter.
Herz an Herz.
Seelentanz.
Gleichklang der Seelenwellen.
Gefühle wie Ebbe und Flut.
Gier wie Leidenschaft.
Glut auf der Haut.
Samthandschuh.
Berührung der Seele.
Das kannst nur du.

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